Pflegetheoretische Orientierung

Die Pflege älterer Menschen wird von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Neben bekannten Pflegetheorien lassen wir auch die Erkenntnisse der modernen Pflegeforschung in unsere praktische Arbeit einfließen. Wir wollen nicht über den alten Menschen hinweg pflegen, sondern mit ihm zusammen seine Zukunft planen. Wir sehen den Menschen in seiner Ganzheit und Individualität von Körper, Seele, Geist und Lebensgeschichte. Unsere Begleitung und Betreuung orientiert sich an individuellen Problemen, Bedürfnissen und Ressourcen. Viele Modelle haben versucht, menschliche Bedürfnisse zu strukturieren und in Bereiche zu gliedern. Im Marienheim haben wir die Pflegetheorie von Monika Krohwinkel als Leitfaden ausgewählt. Sie entwickelte das System der ganzheitlich fördernden Prozesspflege. In einer Studie, konnte sie nachweisen, dass die Förderung von Fähigkeiten bei einem älteren Menschen der Erhaltung und der Entwicklung seiner Selbständigkeit und seinem Wohlbefinden im täglichen Leben dient. Zusätzlich erleichtert sie dem Bewohner den Umgang mit den existentiellen Erfahrungen seines bisherigen Lebens.Diese Theorie umfasst:

  1. Das Rahmenmodell
  2. Das Strukturmodell
  3. Das Modell zum reflektierten Erfahrungslernen
  4. Das Managementmodell

Das Rahmenmodell

Das Rahmenmodell beschreibt die Haltung, mit der eine Pflegeperson sich dem älteren Menschen zuwendet.

Nach unserer Philosophie treten wir mit dem Bewohner in eine Art Partnerschaft. Das pflegerische Interesse richtet sich auf den zu betreuenden Menschen und auf das für ihn wichtige Umfeld.

Wir beziehen sowohl das gelebte Leben, wie die Ist-Situation und die persönlichen Ziele mit in unsere Pflegeplanung ein.

Dies alles soll als Angebot verstanden werden.

Pflegerische Zielsetzung und pflegerische Hilfeleistung

Unsere pflegerische Zielsetzung ist das Erhalten und Fördern der größtmöglichen Eigenständigkeit sowie das körperliche und seelische Wohlbefinden des uns Anvertrauten.

Unser pflegerisches Hilfsangebot stützt sich auf einen fortwährenden Austausch mit den uns anvertrauten Menschen und ihren Bezugspersonen. Aus diesen Gesprächen erfahren wir, in welchen Situationen des täglichen Lebens der Bewohner die von uns angebotene Unterstützung wünscht.

Bei dieser Hilfe respektieren wir das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung der alten Menschen.

Das Strukturmodell

Monika Krohwinkel hat die Aktivitäten des täglichen Lebens in 13 Kategorien, die so genannten AEDLs eingeteilt.

Bei den 12 ersten AEDLs werden Fähigkeiten, Probleme und Bedürfnisse des Menschen in den einzelnen Bereichen seines aktuellen Lebens erfasst.

Das 13. AEDL behandelt das bisherige Leben des alten Menschen und die daraus resultierenden Erfahrungen und Ängste, die für die jetzige Existenz fördernd oder gefährdend sein können.

Diese 13 AEDLs erlauben der Pflegekraft die vorhandenen Fähigkeiten eines alten Menschen einzuschätzen, zu nutzen und bei auftretenden Defiziten ein angemessenes Pflegeangebot anzubieten.

Die vorhandenen Möglichkeiten werden dabei besonders gewertet, da sie das Selbstwertgefühl des pflegebedürftigen Menschen aufrechterhalten.

Die Einbeziehung der sozialen Bereiche und der existenziellen Erfahrungen kann oft kritische Situationen (z.B. Krankheit, Depressionen) der Bewohner mildern, wenn die Pflegekraft mögliche Reaktionen und Entwicklungen frühzeitig erkennt und entsprechende Hilfen anbieten kann.

Fortschritte und positive Erfahrungen werden als Quellen genutzt, aus denen Mut und Zuversicht geschöpft werden können.

Die 13 Lebensbereiche (AEDLs) sind :

  • Kommunizieren
  • Sich bewegen
  • Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
  • Sich pflegen
  • Essen und trinken
  • Ausscheiden
  • Sich kleiden
  • Ruhen und schlafen
  • Sich beschäftigen
  • Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten
  • Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen
  • Soziale Bereiche des Lebens sichern
  • Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

    • die Existenz gefährdende Erfahrung: Verlust von Unabhängigkeit, Isolation, Trennung von wichtigen Menschen, Heimatverlust, Sorge, Angst, Sterbendie
    • Existenz fördernde Erfahrungen: Vertrauen erleben, Hoffnung entwickeln, Zuversicht, Unabhängigkeit, Freude
    • die Existenz gefährdende oder fördernde Erfahrungen: kulturgebundene Erfahrungen, Religion, Lebensgeschichte

 

 

Reflektiertes Erfahrungslernen

Durch das Einbeziehen von erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen des bisherigen Lebens kann das Wohlbefinden und Selbstvertrauen des älteren Menschen positiv beeinflusst werden.

Zu den fördernden Erfahrungen, die eine Pflegeperson beim älteren Menschen gezielt verstärken sollte, zählen:

  • das Gefühl etwas darzustellen, anerkannt zu sein
  • die Möglichkeit sich mitzuteilen und angehört zu werden
  • die Möglichkeit des Mitspracherechtes und der Mitentscheidung
  • das Erfahren von Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit
  • die Erfahrung ein sinnvolles Dasein zu führen und sinnvolle Beschäftigungen ausüben zu können
  • die Möglichkeit seine Gefühle zu zeigen und sich mit seiner Situation auseinander zu setzen ohne dabei zurückgewiesen zu werden. Dies setzt ein professionelles Handeln der Begleitpersonen voraus
  • Das Gefühl unabhängig von seinen Einschränkungen als Mensch geachtet und respektiert zu werden